FAMILIENFORSCHUNG UND REGIONALGESCHICHTE
 
Verfasser:  Klaus Euhausen 
Waldrandsiedlung 28 
D 16761 Hennigsdorf (bei Berlin) 
DEUTSCHLAND / GERMANY
Kontakt:
Telefon / Fax: (00 49) 0 3302 - 80 11 78 
email: euhausen@aol.com
Klaus Euhausen, Hennigsdorf, Brandenburg
Stand: DEZEMBER  2011
Impressum / Disclaimer
BEITRÄGE ZUR GESCHICHTE DER STADT HENNIGSDORF (KREIS OBERHAVEL)
(Dieser Artikel wird laufend ergänzt)


Anlass und Absicht
Diese Seite soll über verschiedene Aspekte der Hennigsdorfer Geschichte informieren, nach meiner subjektiven Auswahl, nicht immer ausgewogen, nicht immer unpolitisch.
Weil ich meine, dass man nicht alles doppelt ins Internet stellen und auch nicht abschreiben sollte, sind viele Personen oder Begriffe mit anderen Quellen verlinkt, zumeist bei www.wikipedia.de oder www.dhm.de.
Der Schwerpunkt dieser Seite soll auf dem 20. Jahrhundert liegen.
Ortsbestimmung
Hennigsdorf liegt am nordwestlichen Stadtrand von Berlin, im wesentlichen westlich der Havel. Zu Hennigsdorf gehören die Ortsteile Nieder Neuendorf (südlich der Stadtmitte) und Stolpe-Süd (östlich der Havel), ein weiterer Siedlungsteil östlich der Havel nennt sich Neubrück. Nördlich von Hennigsdorf liegt die Stadt Velten, östlich Hohen Neuendorf und Stolpe (Dorf), südöstlich der Berliner Bezirk Reinickendorf (Frohnau), südlich der Berliner Bezirk Spandau, westlich die Orte Falkensee, Bötzow und Marwitz.
Seitenanfang Administrative Zugehörigkeit und Einwohnerentwicklung
Hennigsdorf gehörte im 17. Jahrhundert zum Glien- und Löwenbergischen Kreis in der Mittelmark des Kurfürstentums Brandenburg, ab 1816 zum Kreis Osthavelland, in der Zeit nach der DDR-Gebietsreform ab 1952 zum Kreis Oranienburg im Bezirk Potsdam. 1962 erhielt Hennigsdorf Stadtrecht. Seit 1993 gehört die Stadt zum Kreis Oberhavel im neugegründeten Land Brandenburg. 
1550: 13 Wohnstätten mit 22 erwerbstätigen Familien und 9 Einlieger,
Einwohner:
1783: 190,
um 1800: 226,
1910: 2400,
1917: 4581,
1933: 10149, davon 6294 evangelisch, 2343 katholisch, 1 sonstiger Christ, 9 Juden,
1939: 12983, davon 7739 evangelisch, 3550 katholisch, 46 sonstige Christen, 2 Juden,
1950: 15968,
1971: 24542,
1981: 27662,
1988: 25860,
1998 25.472, 
2000 26.306, 
2004 26.142, 
2008 25.623.
Seitenanfang Geschichte und Biografien 
Im Jahre 1375 wird  Hennigsdorf im Landbuch Kaiser Karls IV. erstmalig und später als Kossäten- und Fischerdorf erwähnt. 
Die Geschichte der Landgemeinden Hennigsdorf und Nieder Neuendorf von 1375 bis Anfang des 20. Jahrhunderts hat Dr. Wilhelm DÜRKS (PDF 232 KB) sehr ausführlich dargestellt. Wichtige Meilensteine in der Entwicklung waren:
  • der Bau von zwei festen Brücken über die Nebenarme und der Bau einer hölzernen Zugbrücke über den Hauptstrom der Havel (der Bereich an den Havelübergängen wird Neubrück benannt),
  • Bebauung der heutigen Hauptstraße, damals Spandauer Chaussee oder Postweg genannt, ab Mitte des 18. Jahrhundert (dies löste eine rege Siedlungstätigkeit aus), 
  • für die ehemalige Zollstation Neubrück bleibt nach Aufhebung der inneren Zölle im Jahre 1806 nur noch die Erhebung des Brückengeldes,
  • 1872: militärische Nutzung durch das Artilleriedepot Spandau zwischen Hennigsdorf und Nieder Neuendorf (heute noch erkennbar),
  • Errichtung einer Ziegelei in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
  • Eröffnung der Kremmener Bahn am 1. Oktober 1893,
  • um die Jahrhundertwende Errichtung der Pianofabrik Schiller in Neubrück (das sog. Schillerhaus heute noch vorhanden),
  • im Sommer 1907 begann die Osthavelländische Kreisbahnen A.G. mit dem Bau der Eisenbahnlinie von Spandau-West über Papenberge und Nieder Neuendorf nach Bötzow und Velten,
  • 1910/11 Errichtung des Wasserwerks Stolpe,
  • Kanalisierung der Havel von 1906 bis 1914.
Personenregister aus DÜRKS (PDF 58 KB) mit vielen Namen Hennigsdorfer Familien (noch nicht abschließend bearbeitet).
Hennigsdorfer liegt an der "Alten Hamburger Poststraße", etliche wieder aufgestellte Postmeilensäulen zeugen davon (vgl. auch Seiten des Regionalparks Krämer Forst und Berlin Heiligensee/Meilenstein).
Viertelmeilenstein in Hennigsdorf. Foto: Klaus Euhausen, Hennigsdorf, 2011.
 
Halbmeilenstein in Hennigsdorf. Foto: Klaus Euhausen, Hennigsdorf, 2011.
 
Meilenstein bei Hennigsdorf. Foto: Klaus Euhausen, Hennigsdorf, 2011.
         
Viertelmeilenstein
 
Halbmeilenstein
 
Meilenstein
Hennigsdorf hatte aufgrund eines Havelübergangs und später einer Brücke eine besondere Stellung. Ende des 18. Jahrhunderts gab es an der Havel nördlich von Hennigsdorf eine Ziegelei und eine Kalkbrennerei. Zwischen Hennigsdorf und Nieder Neuendorf befand sich ein Pulvermagazin. 1893 wurde die Kremmener Bahn mit dem Bahnhof Hennigsdorf eröffnet. Weitere Betriebe siedelten sich an und die Einwohnerzahl wuchs. Mit der Ansiedlung eines AEG-Werks (ab 1910, später Lokomotivbau-Elektrotechnische Werke) und des Stahl- und Walzwerks (ab 1917, später Friedrich Flick) veränderte sich die Entwicklung Hennigsdorfs rasant. 
1885 erwarb der Verleger Emil Cohn das Gutshaus Nieder Neuendorf.
Westlich von Nieder Neuendorf befindet sich der Nieder Neuendorfer Kanal, der 1738 als Verbindung zum sogenannten Großen Graben angegelegt wurde, und in erster Linie der Bewässerung diente.
1914 bis 1918  Erster Weltkrieg
Mit den beiden Großbetrieben wuchs auch die Arbeiterbewegung in Hennigsdorf.
In Nieder Neuendorf steht ein Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs mit einigen Namen.
1918 bis 1933  Weimarer Republik
Anfang 1919 wurde die Ortsgruppe der KPD von Paul Bergemann, Ewald und Karl Hirsch, Eduard Röckert, Paul Sauer und Paul Schreier gegründet (zu letzterem unten mehr).
Am 13. März 1920 begann in Döberitz bzw. Berlin der Kapp-Putsch
der die junge Republik an den Rand eines Bürgerkrieges brachte.
In Hennigsdorf fanden am 22. März schwere Kämpfe statt, bei denen sogar Artillerie
eingesetzt wurde, mit etlichen Toten.

Ein diesbeszüglicher Artikel über Hennigsdorf (PDF) ist in Vorbereitung.

Kapp-Putsch Denkmal. Foto: Klaus Euhausen. Hennigsdorf. 2011.
Kapp-Putsch Denkmal.
Zwischen 1923 und 1945 existierte zwischen Hennigsdorf und Berlin-Spandau eine Kleinbahn.
1929: Hundert-Tage-Streik im Hennigsdorfer Stahl- und Walzwerk aufgrund Kürzung der Akkordlöhne.
1922 bis 1953 Regierungszeit Josef Stalins (Stalinismus).
Paul Schreier (PDF, 1 MB) wurde am 13. Juli 1880 im benachbarten Gutsbezirk Stolpe geboren, im dortigen Forstarbeiterhaus Schönhorn, er verlebte dort die ersten Jahre seiner Kindheit. Schreiers Vater war 1880 Forstarbeiter. Schreier war 1918/19 Mitbegründer von Spartakusgruppe und Kommunistische Partei in Hennigsdorf, dies resultierte sicherlich auch aus persönlichen Kontakten zu dem etwa 10 Jahre älteren Karl Liebknecht. Schreier war während der Weimarer Republik (dessen erklärte Gegner die Kommunisten waren!) Mitglied des Hennigsdorfer Gemeinderates und führender Kopf der örtlichen KPD. Um einer Verhaftung durch die Nationalsozialisten zu entgehen, musste er 1933 fliehen, letztendlich in die Sowjetunion des Josef Stalin. Er geriet 1937 in die Mühlen des sowjetischen Regimes, das von der Kommunistischen Partei der Sowjetunion getragen wurde. Er wurde von einer Zweierkommission in einem kurzem Prozess zum Tode verurteilt und 6 Tage später erschossen, ohne rechtsstaatliche Grundlage, ohne echte Verteidigungsmöglichkeiten (Stalinistische Säuberungen, Großer Terror 1937/38). Schreier wurde im Hennigsdorf der DDR als Gründer der kommunistischen Bewegung, als Emigrant und Gegner des nationalsozialistischen Regimes geehrt, ein Platz, eine Straße und eine Schule wurden nach ihm benannt. Über die Todesumstände erfuhr man jedoch wenig bis nichts. Ein unabhängiges Recherchieren war in der DDR kaum möglich, Kritik am „unzerstörbaren Bruderbund mit der Sowjetunion“ unerwünscht. Statt Umstände und Hintergründe aufzuklären, wurden bestimmte Personen und Handlungen völlig einseitig und unkritisch glorifiziert und verherrlicht. Trotzdem hatten die Verantwortlichen keinerlei Ehrfurcht vor dem Geburtshaus Schreiers und ließen es 1975 beseitigen (vgl.: Verurteilt zur Höchststrafe: Tod durch Erschießen. Todesopfer aus Deutschland im Großen Terror in der Sowjetunion 1937/38. 2006. Dietz Verlag, siehe auch: Artikel bei Wikipedia).
Schon in der Planungsphase des Havelausbaus um die Jahrhundertwende begann die AEG mit der Errichtung eines großen Produktionskomplexes auf 75 ha am Westufer der Havel südlich des alten Hennigsdorfer Ortskerns. Hierher wurde der Elektrolokomotivenbau aus der Berliner Brunnenstraße ausgelagert. 1910 wurde das neue AEG Werk eröffnet. ie Bevölkerungszahl von Hennigsdorf lag noch unter 3000. 1912 nahm eine Tochterfirma der AEG, die Hennigsdorfer Flugzeugfabrik, die Produktion auf. Die Bevölkerung stieg von 1910 bis 1917 von 2.400 auf 4.581 Einwohner an.
1918 nahm das Stahl- und Walzwerk Hennigsdorf als Schrottverwerter und Stahlzulieferer der AEG nördlich der Altstadt die Arbeit auf. Nach dem Krieg reparierte die AEG hauptsächlich durch den Krieg beschädigte Dampflokomotiven. Hinzu kam dann der Bau von neuen Lokomotiven.
1920 wird Groß-Berlin gebildet.
1923 wird der sog. „Räuberbruch“ in der Stolper Heide den Siedlern aus Berlin überlassen. In den nächsten Jahren reifen die Planungen für die Siedlung Stolpe-Süd.
Die industrielle Entwicklung verursachte eine große Wohnungsnachfrage, sodaß die Hennigsdorfer Großbetriebe eigene Siedlungsgesellschaften gründeten und im großen Stil Wohnungen bauten. Die Einwohnerzahl stieg bis 1930 auf über 10.000 an. In den beiden Großbetrieben arbeiteten ca. 5.000 Menschen. Der Arbeitskräftebedarf der Industrie wuchs jedoch erheblich schneller, weshalb ca. 70 % der Be-schäftigten einpendelte. Bis 1931 baute die "Hennigsdorfer Siedlungsgesellschaft" der AEG 450 Wohnungen. Weiterhin bauten die "Gemeinnützige Siedlungsgesellschaft" und die "Heimstättengesellschaft" Wohnungen.
Am Ende des zweiten Welt-krieges leben in Hennigsdorf ca. 12.000 Menschen, der Pendleranteil blieb bei ca. 70 %.
1930 beginnt die Besiedelung von Stolpe-Süd. 1938 wohnen dort ca. 500 Personen. 
1933 bis 1945  Nationalsozialismus
ab 1933: Verhaftung und Verfolgung vieler Kommunisten und Juden durch die Nazis, Einrichtung von Konzentrationslagern. Während der Machteroberungsphase kam es auch in Hennigsdorf (Meißnershof, Meissnershof) zu Morden an Kommunisten.
In Hennigsdorf lebten vor 1933 mehrere jüdische Familien, Stolpersteine wurden verlegt für die Eheleute Ernst und Dora Blaschke und ihre Töchter Liesel und Ursel, außerdem für Else Lachmann und Ludwig Goldstein.
Am Gymnasium in Hennigsdorf befindet sich eine Tafel mit folgender Inschrift und folgenden Namen: 
Zum Gedenken an die jüdischen Schüler aus Hennigsdorf und Umgebung, die durch das NS-Regime ihres Lebens beraubt und aus ihrer Heimat vertrieben wurden:
  • Ursula Baum
  • Ernst Lachmann
  • Boris Bernstein
  • Herbert Lehmann
  • Lili Lehmann
  • Fritz Walbaum
  • Rose-Karin Walbaum
  • Liesel Blaschke
  • Ursel Blaschke
  • Heinz Salomonsohn
  • Hans Borchardt
  • Ruth Borchardt
  • Margot Borchardt.
Auf den Seiten von Yad Vashem findet man folgende Namen: 
  • Niklas Goldstein, * 1898 Hennigsdorf, umgekommen im Jahre 1945. 
  • Ruth Schoenenberg, * 1931 Geistingen, lebte vor 1939 in Hennigsdorf, umgekommen im Jahre 1942. 
  • Rosa Selten, geb. Halle, * 1875 in Hennigsdorf, lebte in Berlin, deportiert nach Theresienstadt, dort umgekommen 1943.
Im Gedenkbuch des Bundesarchivs stehen folgende Personen: 
  • Else Ernstine Bela Lachmann, geb. Schwinke, * 7.11.1886 Wongrowitz, Posen, wohnhaft Hennigsdorf und Berlin, deportiert von Berlin, gestorben 7.12.1943 Auschwitz. 
  • Emil Mendelsohn, * 8.5.170 Ostrowo, Posen, wohnhaft Hennigsdorf, emigrierte in die Niederlande, deportiert ab Westerbork Juli 1943, für tot erklärt 23.7.1943 Sobibor. 
  • Fritz Schimmek, * 29.12.1880 Krotoschin, Posen, wohnhaft Hennigsdorf, deportiert ab Breslau November 1941, gestorben 29.11.1941 Kowno (Kauen, Kaunas, Litauen). 
  • Luise Schimmek, geb. Heimann, * 16.6.1890 Reesewitz, Schlesien, wohnhaft Hennigsdorf, deportiert ab Breslau November 1942, gestorben Kowno (Kauen, Kaunas, Litauen) 29.11.1941.
27./28. Februar 1933: Reichtagsbrand, Marinus van der Lubbe weilte vorher in Hennigsdorf.
Westlich von Nieder Neuendorf entstand bereits Anfang des 20. Jahrhunderts der AEG-Werksflugplatz, später westlich von Hennigsdorf der Flugplatz Schönwalde.
In Hennigsdorf (AEG Werke) befand sich ein Außenlager des Konzentrationslagers Sachsenhausen.
Stolpersteine in Hennigsdorf:
Stolperstein für Heinrich Bartsch. Foto: Klaus Euhausen, Hennigsdorf, 2011.
 
Stolperstein für Klara Busse. Foto: Klaus Euhausen, Hennigsdorf, 2011.
 
Stolperstein für Ludwig Goldmann. Foto: KLaus Euhausen, Hennigsdorf, 2011.
 
Stolperstein für Klara Schabbel. Foto: Klaus Euhausen, Hennigsdorf, 2011.
   
                 
Branchenverzeichnis Hennigsdorf 1938 (PDF, 157 KB), mit vielen Namen.
1939 bis 1945  Zweiter Weltkrieg
Wie in anderen Großbetrieben wurden auch in Hennigsdorf Zwangsarbeiter verschiedener Nationen eingesetzt.
Am 22. bzw. 23. April 1945 erreichte die Rote Armee Hennigsdorf.
Auf dem Hennigsdorfer Friedhof befinden sich diverse Grabanlagen und Denkmäler bzgl. des Zweiten Weltkriegs.
Gedenken an die Opfer des Zweiten Weltkrieges. Foto: Klaus Euhausen. Hennigsdorf. 2011.

 
Im Wald westlich von Hennigsdorf befindet sich ein einzelnes Soldatengrab
1945 bis 1949  Sowjetische Besatzungszone (SBZ)
Sowjetische Grab- und Denkmalanlage. Foto: Klaus Euhausen. Hennigsdorf. 2011.
Wie in vielen Orten der Umgebung wurde auch in Hennigsdorf über den Gräbern gefallener sowjetischer Soldaten eine Denkmalanlage (mit vielen Namen) errichtet.
Im Juni 1945 vereinigten sich aufrechte Hennigsdorfer Kommunisten und Sozialdemokraten wie in der gesamten damaligen sowjetischen Besatzungszone zur SED (Zwangsvereinigung).
Im Nieder Neuendorfer See wurden Kähne versenkt.
Unter der breiten Schleppe der unzähligen Verbrechen, die die Nationalsozialisten noch nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches hinter sich herzogen, ließ sich neues Unrecht gut verbergen. Die Speziallager, eines davon im ehemaligen Nazi-Konzentrationslager Oranienburg-Sachsenhausen (Speziallager Nr. 7), wurden von der sowjetischen Besatzungsmacht zwar als Internierungslager für Anhänger und Träger des NS-Systems propagiert, so wie sie mit den Westalliierten in den verschiedenen interalliierten Konferenzen vereinbart worden waren, aber sowohl die Einweisungs- als auch die Haftpraxis entsprachen mehr den aus den Tiefen der Sowjetunion mitgebrachten Erfahrungen kommunistischen Terrors als einer an der Charta der Menschenrechte und des Völkerrechts orientierten Besatzungsherrschaft. Katastrophale Ernährung, Unterbringung und Haftbedingungen verursachten ein Massensterben. Das Totenbuch Sachsenhausen kann und soll dabei nicht zwischen „Tätern“ und „Opfern“ unterscheiden. Es fragt nicht, ob die an Hunger und Krankheit verstorbenen Häftlinge und Internierten Funktionsträger des NS-Regimes waren oder warum sie verhaftet wurden. Die meisten Lagerinsassen waren minderbelastet oder unschuldig. Es waren Menschen, die ohne einen Schuldvorwurf in den Jahren 1945 bis 1950 als kleine NS-Funktionäre, Nazisympathisanten oder einfach, von Nachbarn aus nichtigen Gründen denunziert, vom sowjetischen Geheimdienst inhaftiert worden sind und oft nach monatelanger Kellerhaft in den Schweigelagern des NKWD, den sogenannten Speziallagern, verschwanden (wörtlich aus: Totenbuch sowjetisches Speziallager Nr. 7/Nr. 1 in Weesow und Sachsenhausen 1945-1950. Hg. von der Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen/Stiftung Brandenburgische Gedenkstätte. Bearbeitet von Ines Reich. 2010. Mit freundlicher Genehmigung).
Ca. die Hälfte der Häftlinge des Speziallagers gehörte zum sog. „Spezkontingent“: im Zuge der „Entnazifizierung“ kam es zu Verhaftungen von früheren Mitarbeitern von NS-Behörden, „aktiven Mitgliedern“ der NSDAP u. a., tatsächlich waren es vor allem untere und mittlere Funktionsträger der NSDAP sowie anderer NS-Organisationen, politische Gegner und willkürlich verhaftete Zivilisten... Die Absicht der Sowjetunion war neben der Ausschaltung der nationalsozialistischen Funktionsträger auch die Durchsetzung eines kommunistischen Führungsanspruchs in der SBZ (fast wörtlich übernommen aus: Thomas Ney u. a.: Projekt des Louise-Henriette-Gynasiums Oranienburg).
Seitenanfang Eines der bekanntesten Opfer des Speziallagers war der Schauspieler Heinrich George, * 9.10.1893 Stettin, † 25.9.1946 Speziallager Sachsenhausen.
Auch ein Hennigsdorfer saß und starb dort: Emil Erich Ernst Seiler, * 28.11.1891, † 21.8.1945 Speziallager Sachsenhausen (Eltern: Bäcker Wilhelm Seiler und Ehefrau Emilie, geb. Noelte / Nölte, zu Hennigsdorf). Seiler war verheiratet und hinterließ die Ehefrau mit zwei Kindern [derzeit sammle ich weitere Informationen].
Aus der Umgebung waren dort inhaftiert und starben dort (Auswahl des Verfassers, aus dem Totenbuch Sachsenhausen):
  • Karl Bolduan, * 1899 Oranienburg, † 9.2.1947 Speziallager Sachsenhausen.
  • Wilhelm Bree, * 17.6.1895 Germendorf, † 3.4.1946 Speziallager Sachsenhausen.
  • Franz Brehe, * 7.9.1881 Velten, † 9.8.1946 Speziallager Sachsenhausen.
  • Fritz Duwe, * 1905 Oranienburg, † 8.3.1947 Speziallager Sachsenhausen.
  • Wilhelm Ebel, * 7.9.1905 Germendorf, † 7.10.1945 Speziallager Sachsenhausen.
  • Hans Elste, * 1892 Germendorf, † 16.2.1947 Speziallager Sachsenhausen.
  • Paul Engel, * 1891 Birkenwerder, † 30.11.1945 Speziallager Sachsenhausen.
  • Hermann Gabriel, * 1911 Falkensee, † 24.3.1948 Speziallager Sachsenhausen.
  • Karl Ganzer, * 1895 Marwitz, † 1.4.1948 Speziallager Sachsenhausen.
  • Ernst Glätzer, * 26.8.1898 Oranienburg, † 18.5.1946 Speziallager Sachsenhausen.
  • Max Grunert, * 27.2.1892 Oranienburg, † 8.2.1947 Speziallager Sachsenhausen.
  • Ernst Hahn, * 23.12.1877 Oranienburg, † 26.8.1945 Speziallager Sachsenhausen.
  • August Hein, * 18.9.1882 Marwitz, † 9.11.1945 Speziallager Sachsenhausen.
  • Horst Höpfner, * 1928 Oranienburg, † 18.7.1947 Speziallager Sachsenhausen.
  • Wilhelm Ingel, * 6.8.1884 Velten, † 1.4.1946 Speziallager Sachsenhausen.
  • Albert Kleinfeld, * 28.1.1887 Oranienburg, † 30.1.1947 Speziallager Sachsenhausen.
  • Karl Knörck, * 1892 Oranienburg, † 3.11.1948 Speziallager Sachsenhausen.
  • Erwin Krüger, * 28.5.1909 Velten, † 22.4.1947 Speziallager Sachsenhausen.
  • Willy Leue, * 16.5.1903 Velten, † 25.2.1947 Speziallager Sachsenhausen.
  • Willy Lietzmann, * 13.5.1896 Oranienburg, † 12.5.1947 Speziallager Sachsenhausen.
  • Franz Lindenberg, * 1884 Velten, † 7.4.1947 Speziallager Sachsenhausen.
  • Käthe Lindner, * 1880 Oranienburg, † 3.3.1946 Speziallager Sachsenhausen.
  • Georg Lusinsky, * 27.3.1898 Velten, † 20.2.1947 Speziallager Sachsenhausen.
  • Karl Malitz, * 1886 Marwitz, † 25.12.1946 Speziallager Sachsenhausen.
  • Albert Merker, * 10.4.1890 Vehlefanz, † 1.10.1945 Speziallager Sachsenhausen.
  • Georg Rieger (Riegert), * 12.5.1891 Germendorf, † 18.5.1948 Speziallager Sachsenhausen.
  • Georg Schünemann, * 1900 Velten, † 7.1.1946 Speziallager Sachsenhausen.
  • Fritz Strebelow, * 6.8.1896 Oranienburg, † 19.10.1947 Speziallager Sachsenhausen.
  • Dr. jur. Fritz Thürling, * 12.10.1905 Velten, † 7.1.1948 Speziallager Sachsenhausen.
Auch die Ehefrau des letzten Gutsbesitzer von Stolpe (Dorf) Burghard von Veltheim (geboren 17.12.1873), Elisabeth Helene Mathilde von Veltheim, geborene von Alvensleben (geboren 30.11.1889 Erxleben) wurde von den Sowjets abgeholt und starb im Januar 1946 im Speziallager Sachsenhausen.
1949 bis 1961 DDR ohne Mauer
KZ-Denkmal. Foto: Klaus Euhausen. Hennigsdorf. 2011.
 
Inschrift:
Den Toten zum Gedenken.
Den Lebenden zur Pflicht.
 
Gedenktafel. Foto: Klaus Euhausen. Hennigsdorf. 2011.
         
Denkmal zur Erinnerung an die Konzentrationslager der Nationoalszialisten, 
insbesondere an das in der Nähe befindliche ehemalige Konzentrationslager
Oranienburg-Sachsenhausen (jetzt Gedenkstätte und Museum).
     
Gedenktafel an der ehem. Feuerwache.
Von 1945 bis 1948 gehört Stolpe-Dorf zum französischen Sektor Berlins, Stolpe-Süd zum sowjetischen. 1948 wird Stolpe an die Sowjets übergeben; Stolpe-Süd wird zur selbständigen Gemeinde deklariert, die Grundbücher und Katasterkarten aber nicht geändert.
1953 wird der Berliner Eisenbahnaußenring in diesem Abschnitt in Betrieb genommen.
Bedingt durch den Mauerbau und der Einrichtung von Sperrgebieten fand im südlichen Teil von Nieder Neuendorf keine bedeutende bauliche Entwicklung mehr statt. Der Mauerbau schnitt Hennigsdorf und Stolpe-Süd endgültig von Berlin ab; Verkehrswege wurden unterbrochen, der Pendleranteil sank drastisch auf unter 5 %. 
Die großen Industriebetriebe in Hennigsdorf werden ausgebaut: Das Stahl- und Walzwerk wurde zum Stamm-betrieb des "Volkseigenen Betriebes Qualitäts- und Edelstahl-Kombinat Stahl- und Walzwerk Wilhelm Florin". Die LEW Hennigsdorf entwickelte sich zum Stammbetrieb des VEB Kombinates-Lokomotiv-bau-Elektrotechnische Werke "Hans Beimler".
Die neue Situation und das kräftige Ansteigen der Einwohnerzahl auf über 20.000 führte zur Verleihung der Stadtrechte am 19.3.1962. In Neubrück werden Grenztruppen in neu errichteten Kasernen untergebracht.
Mitte der 80er Jahre wird die Autobahn nach Hamburg (heute BAB 24) mit dem Zubringer Reinickendorf (heute BAB 111) und den Grenzkontrollstellen gebaut.
1988 arbeiteten etwa 9.000 Menschen im "Hennigsdorfer Stahl- und Walzwerk Wilhelm Florin" und et-wa 8.000 Menschen in den "Lokomotivbau-Elektrotechnischen Werken Hans Beimler". Die beiden volkseigenen Betriebe prägten über Jahrzehnte das gesamte Leben der Stadt. Die kulturelle, soziale und sportliche Infrastruktur wurde von ihnen organisiert. Die städtebauliche Entwicklung beschränkte sich in erster Linie auf die Schaffung von Arbeitsplätzen und in diesem Zusammenhang den Bau von Wohnungen. Die Einkaufsmöglichkeiten waren hingegen unterdurchschnittlich.
Sowjetische Militärtribunale verhängten nach der Gründung der DDR im Jahre 1949 und bis Stalins Tod 1953 in Geheimprozessen gegen deutsche Staatsangehörige mehr als 1000 Todesurteile, die zum größten teil vollstreckt wurden. Sie hatten sich für Demokratie eingesetzt, wurden als Sowjetfeinde oder Spione denunziert oder hatten für westliche Geheimdienste gearbeitet. Sie wurden von östlichen Geheimdiensten verhaftet, in Moskau hingerichtet, im Krematorium verbrannt und in einem Massengrab verscharrt. Über Jahrzehnte hatten Moskau und Ostberlin alles daran gesetzt, die Spuren der Opfer zu verwischen. Viele Opfer wurden durch den Hauptmilitärstaatsanwalt der Russischen Föderation rehabilitiert (aus: „Erschossen in Moskau ...“. Die deutschen Opfer des Stalinismus auf dem Moskauer Friedhof Donskoje 1950-1953. Hg. Von Arsenij Roginskij, Jörg Rudolph, Frank Drauschke und Anne Kaminsky. 2005. Metropol Verlag. Mit freundlicher Genehmigung).
Nachfolgend Namen von 14 Opfern, die in irgendeiner Beziehung zu Hennigsdorf oder der Umgebung standen:
  • Christa Bathe, * 1928, wohnhaft Falkensee, hingerichtet 14.2.1952 Moskau.
  • Annelies Bunda, * 1919, wohnhaft Falkensee, hingerichtet 14.2.1952 Moskau.
  • Marianne Hutschenreuther, * 1925, wohnhaft Hennigsdorf, Bürogehilfin im Stahl- und Walzwerk sowie Kontoristin beim Hochbau in Hennigsdorf, hingerichtet 14.5.1951 Moskau.
  • Heinz Ilmer, * 1923, wohnhaft Falkensee, hingerichtet 17.2.1953 Moskau.
  • Heinz Knappe, * 1929, wohnhaft Velten, hingerichtet 23.10.1952 Moskau.
  • Waldmar Otto Knappe, * 1932, wohnhaft Velten, hingerichtet 23.10.1952 Moskau.
  • Siegfried Muche, * 1931, wohnhaft Finkenkrug, arbeitete beim VEB Lokomotivbau, Elektrotechnische Werke Hennigsdorf, hingerichtet 26.6.1952 Moskau.
  • Ingeborg Potratz, * 1929, wohnhaft Falkensee, hingerichtet 11.9.1951 Moskau.
  • Gerhard Schmidt, * 1931, wohnhaft Oranienburg, hingerichtet 26.11.1951 Moskau.
  • Wilhelm Schulz, * 1915 Bötzow, wohnhaft Berlin-Adlershof, hingerichtet 31.8.1951 Moskau.
  • Wolfgang Swidom, * 1928, wohnhaft Hennigsdorf, arbeitete bei Fa. Foto Nebel in Hennigsdorf, hingerichtet 2.11.1951 Moskau.
  • Joachim Ulatowski, * 1927, wohnhaft Falkensee, hingerichtet 26.11.1952 Moskau.
  • Richard Wildner, * 1928, wohnhaft Schönewalde, arbeitete u. a. bei der Fa. Kresse & Co. in Hennigsdorf, hingerichtet 11.9.1951 Moskau.
  • Ernst Willkommen, * 1906, wohnhaft Oranienburg, hingerichtet 12.4.1951 Moskau.
Seitenanfang 1951 begann der Bau des Havelkanals von Nieder Neuendorf nach Paretz, der das Berliner Stadtgebiet "umgeht".
Brücke der DSF zwischen Hennigsdorf und Nieder Neuendorf über den Havelkanal. Foto: Klaus Euhausen. Hennigsdorf. 2011.
 
Für Deutsch - Sowjetische Freundschaft. Foto: Klaus Euhausen. Hennigsdorf. 2011.
     
Brücke der Deutsch - Sowjetischen Freundschaft (Schild an der östlichen Seite).
 
(... an der westlichen Seite).
17. Juni 1953. Berühmt ist das Foto, das die Hennigsdorfer Arbeiter auf dem Weg nach Berlin zeigt. In Berlin-Tegel befindet sich eine Gedenktafel (Vergrößerung).
1961 bis 1989/1990 DDR mit Mauer
13.August 1961 Bau der Mauer
Im heutigen Hennigsdorfer Ortsteil Neubrück (Ruppiner Straße) war eine Kaserne des Grenzregiment 38. Bei Papenberge befand sich eine Bootskompanie.
Die Todesopfer der Berliner Mauer. Im Bereich Hennigsdorf und Umgebung bzw. mit sonstigem Bezug zu Hennigsdorf:
  • Peter Kreitlow, * 1943, von sowjetischen Soldaten in der Nacht vom 23. auf den 24. Januar 1963 in Nieder Neuendorf erschossen, beerdigt in Berlin (Pankow Friedhof III). Peter Kreitlows Freunde, die am Fluchtversuch beteiligt waren, werden wegen versuchten „illegalen Verlassens“ sowie Anstiftung dazu zu Gefängnisstrafen zwischen zehn und achtzehn Monaten verurteilt.
  • Klaus Garten, * 1941, arbeitete als Schlosser im Schmachtenhagener Betriebsteil des Stahl- und Walzwerkes Hennigsdorf, erschossen am 17. August 1965 an der Grenze bei Teltow-Seehof, beerdigt in Schmachtenhagen.
  • Franciszek Piesik, * 1943, polnischer Binnenschiffer, beim Fluchtversuuch ertrunken am 17. Oktober 1967 im Nieder Neuendorfer See bei Hennigsdorf, beerdigt in Heiligensee (bei wikipedia).
  • Helmut Kliem, * 1939, lebte in Staaken, Hauptwachtmeister beim Betriebsschutz des Lokomotiv- und Elektrotechnischen Werks Hennigsdorf, niedergeschossen am 13. November 1970 bei Staaken, gestorben im Krankenhaus Staaken, beerdigt in Falkensee (bei wikipedia).
  • Rolf-Dieter Kabelitz, * 1951, niedergeschossen am 7. Januar 1971 bei Hohen Neuendorf, gestorben am 30. Januar 1971 im Krankenhaus 
  • Hennigsdorf (bei wikipedia).
  • Klaus Schulze, * 1953, Falkensee, bis Sommer 1971 im VEB Stahl- und Walzwerk Hennigsdorf, erschossen am 7. März 1972 an der Grenze bei Falkenhöh, beerdigt in Falkensee.
  • Dietmar Schwietzer, * 1958, am 16. Februar 1977 bei Hennigsdorf erschossen, beerdigt in Magdeburg (bei wikipedia).
  • Marienetta Jirkowsky, * 1962, niedergeschossen am 22. November 1980 an der Mauer bei Hohen Neuendorf, gestorben im Krankenhaus 
  • Hennigsdorf (bei wikipedia).
Erich Mielke wurden viele Orden und Ehrenzeichen verliehen, u. a war er Aktivist der sozialistischen Arbeit des VEB Qualitäts- und Edelstahlwerkes Hennigsdorf (siehe Liste). Mielke war eine der schillernsten Figuren der DDR, ehemaliger Lokalreporter der "Roten Fahne", Minister für Staatssicherheit, später rechtskräftig verurteilter Polizistenmörder,  (siehe auch: Trauerrede für Erich Milke). 
Bis heute sitzen etliche ehemalige "Stasi-Spitzel" in den Parlamenten, hauptsächlich für die Partei "Die LINKE", während andere sich fragen, "wer wann wen und warum auf SED-Geheiß ausspioniert hat".
Karteikarte des MfS (Klaus Euhausen)
1957 starb in Nieder Neuendorf Otto Nuschke.
Seitenanfang (Um) 1987 enstand auf dem Hennigsdorfer Friedhof eine Gedenkstätte mit großer Inschrift und etlichen Namen "sozialistischer Kämpfer".
Ich bevorzuge: Für Freiheit und parlamentarische Demokratie, Gewaltenteilung, Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit. Nie wieder Sozialismus! Foto: Klaus Euhausen. Hennigsdorf. 2011 FIR-Emblem. Foto: Klaus Euhausen. Hennigsdorf. 2011. Gedenkstein für 5 von den Nationalsozialisten getötete Kommunisten. Foto: Klaus Euhausen. Hennigsdorf. 2011.
Gedenkstätte. (auf das Bild klicken) (auf das Bild klicken)
Antonia Grunenberg: "Jeder Demokrat ist ohnehin Antifaschist, aber nicht jeder Antifaschist ein Demokrat."
Ab 1989/90
Gedenkstein zur Erinnerung an den Fall der Mauer. Foto: Klaus Euhausen. Hennigsdorf. 2011.
 
Zur Erinnerung an die Opfer der Mauer. Foto: Klaus Euhausen. Hennigsdorf. 2011.
     
"Mauerfall" in Nieder Neuendorf von Heike Becker.
 
"Platz der Maueropfer" und ehemaliger Grenzturm in Nieder Neuendorf.
Nach der Öffnung der Grenzen 1989 bekamen die Stadt Hennigsdorf und die Siedlung Stolpe-Süd ihre natürliche Umgebung zu Berlin zurück. Die großen volkseigenen Betriebe in Hennigsdorf wurden privatisiert. Im Mai 1992 übernahm der italienische Konzern RIVA das Stahlwerk, das seitdem die Bezeichnung Hennigsdorfer Elektrostahl-werke GmbH (H.E.S.) führt.
Die AEG übernahm ihre alte Produktionsstätte für den Schienenfahrzeugbau. 1993 wurde der Hauptsitz der AEG Bahnsysteme nach Hennigsdorf verlagert. Eine weitere Profilierung des Industriestandortes als Zentrum für Verkehr und Technik erhielt Hennigsdorf mit der Gründung der Gesellschaft ADtranz, in der die AEG Bahnsysteme aufgegangen sind.
Das Kasernengeländes in Neubrück wurde umgenutzt: Die Kasernen wurden umgebaut als Wohnheime für Asylsuchende. Die übrigen umfangreichen baulichen Anlagen werden gewerblich genutzt.
Unmittelbar nach der Wende wurde in Hennigsdorf mit den planerischen Vorleistungen zur Revitalisierung von In-dustriebrachen zur Ansiedlung kleiner und mittlerer Unternehmen begonnen. So wurden insgesamt sieben Bebauungsplanverfahren mit Gewerbegebietsausweisung und einer Gesamtfläche von fast 100 ha eingeleitet.
1993 wurde die Denkmalanlage auf dem Anger an der Berliner Straße errichtet (Heidi Wagner-Kerkhof).
1993 bis 1995 wurde das Hennigsdorfer Stadtzentrum zwischen Bahnhofsvorplatz und Fontanestraße errichtet. Damit erhielt Hennigsdorf den bisher nicht vorhandenen lang ersehnten Mittelpunkt des städtischen Lebens.
Es entstehen in relativ kurzer Zeit neue Wohngebiete wie die Havelpromenade in Nieder Neuendorf oder die Waldrandsiedlung im Bereich Forststraße/Am Waldrand sowie einzelne Wohn- und Geschäftshäuser.
1993 wurden konkrete Ziele und Maßnahmen zur Sanierung des Ortskerns und des Stahlwerksgeländes beschlossen, um städtebauliche Mißstände und Funktionsschwächen zu beseitigen, brachlie-gende oder untergenutzte gewerbliche Bauflächen zu aktivieren und das Sanierungsgebiet zu einem lebendigen Stadtteil zu entwickeln. Ein zentrales Problem stellt dabei die Bewältigung des Durchgangsverkehrs dar. 
Die in Hennigsdorf vorhandenen Standortbedingungen bieten gute Voraussetzungen für die weitere Entwicklung der Industriestadt und zu einem attraktiven Wohnstandort an der Havel.
Ansiedelungen der letzten Jahre und Monate (Technologie- und Biotechnologiezentrum) machen Hennigsdorf auch zu einem Standort der Forschung und Entwicklung zukunftsweisender Technologien.
Denkmal zur Erinnerung an Zwangsarbeit in Hennigsdorf. Foto: Klaus Euhausen. Hennigsdorf. 2011.
 
Denkmale: 17. Juni 1953 und Herbst 1989. Dazwischen liegen 36 Meter oder 36 Jahre! Foto: KLaus Euhausen. Hennigsdorf. 2011.
 
Gedenkstele Deutsche Teilung. Foto: KLaus Euhausen. Hennigsdorf. 2011.
         
Zwangsarbeiter (1940 - 1945).
 
17. Juni 1953 und Herbst 1989.
 
Deutsche Teilung.
Seitenanfang Quellen (u.a.)
- Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam, verschiedene Akten
- Bundeszentrale für politische Bildung (BPB, Internet)
- Deutsches Historisches Museum (DHM, Internet)
- DÜRKS, Dr. Wilhelm: Urkundliche Geschichte der Landgemeinde Hennigsdorf, 1931
- Kirchenbücher, verschiedene
- Landesarchiv Berlin, verschiedene Akten
- RAT DER STADT HENNIGSDORF (Herausgeber) / BAROWSKI, Norbert: Hennigsdorf. Geschichte und Gegenwart. Ohne Jahresangabe, vermutlich um 1980
- Staatsbibliothek zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz, Zeitungsinformationssystem (Internet)
- STADT HENNIGSDORF / ROHNSTOCK BIOGRAFIEN: Hennigsdorfer Stadtgeschichte(n), 2011
- Stadtarchiv Hennigsdorf, verschiedene Akten
- Wikipedia (Internet)
- Zeitungsartikel, diverse
Zum Verfasser
Klaus Euhausen,
geboren 1962 in Oldersum (Ostfriesland, Niedersachsen) und dort aufgewachsen,
Gärtner, Dipl.-Ing. Landespflege, verheiratet, 3 Kinder, lebt in Hennigsdorf bei Berlin,
familienkundlich und regionalgeschichtlich interessiert (unkommerziell) mit Schwerpunkten Ostfriesland und Nord-Brandenburg.
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